19.03.2010 -
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Zunehmend verlagern sich Kommunikation, wirtschaftliches Handeln aber auch
politische Willensbildung und Willensäußerung in das Internet. Zwar sind laut (N)ONLINER Atlas 2009
knapp 70 Prozent der Deutschen online, aber für nur 26 Prozent der Bevölkerung sind die digitalen
Medien fester Bestandteil des täglichen Lebens. Dass aber eine große Mehrheit der Deutschen nicht an
den durch die digitalen Techniken eröffnenden Möglichkeiten partizipiert, zeigt erstmals die Studie
"Digitale Gesellschaft in Deutschland - Sechs Nutzertypen im Vergleich" der Initiative D21, für die TNS
Infratest 1 014 Personen deutschlandweit befragt hat. Die Typologie zeigt auf, dass mit 35 Prozent
digitalen Außenseitern und 30 Prozent Gelegenheitsnutzern eine deutliche Mehrheit der deutschen
Bevölkerung entweder gar nicht oder nur bedingt an einer digitalen Gesellschaft teilhat.
"Wir sprechen bereits seit geraumer Zeit von einer digitalen Gesellschaft, sehen aber anhand der jetzt
vorliegenden Ergebnisse recht deutlich, dass in Deutschland ein Großteil noch nicht darin angekommen
ist. Diese Teilung der Gesellschaft in Teilnehmer und Nichtteilnehmer an den neuen Informations- und
Kommunikationstechniken und ihren Möglichkeiten ist angesichts des einhergehenden Strukturwandels für
eine Wissensgesellschaft das zentrale Zukunftsproblem, deren Lösung sich auch die Enquete-Kommission im
Deutschen Bundestag annehmen muss", so Dr. Ulrich Hermann, Mitglied des D21-Gesamtvorstandes und
Geschäftsführer der Wolters Kluwer Deutschland GmbH.
Diese neue Digitale Spaltung zieht sich nicht mehr ausschließlich entlang einer Ausstattungsgrenze,
sondern definiert sich im Hinblick auf Kompetenz, Wissen, Nutzungsvielfalt und -intensität sowie der
Einstellung gegenüber den digitalen Medien. Auf dieser Basis lässt sich durch die Typologie der
Deutschen ein exaktes Bild der digitalisierten Gesellschaft in Deutschland wiedergeben. Sechs Gruppen
konnten dabei identifiziert werden.
Die digitalen Außenseiter (35 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung)

Die digitalen Außenseiter sind die größte und gleichzeitig mit einem Durchschnittsalter von 62,4 Jahren
die älteste Gruppe. Im Vergleich zu den anderen Typen haben sie das geringste digitale Potenzial, die
geringste Computer- und Internetnutzung sowie die negativste Einstellung gegenüber digitalen Themen.
Nur ein Viertel verfügt bei der digitalen Infrastruktur über eine Basisausstattung (Computer und
Drucker). Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Medien sind folglich kaum vorhanden. Selbst Begriffe
wie E-Mail, Betriebssystem oder Homepage sind den digitalen Außenseitern weitgehend unbekannt und nur
ein Fünftel der digitalen Außenseiter ist in der Lage, sich im Internet zu Recht zu finden.
Die Gelegenheitsnutzer (30 Prozent)

Die Gelegenheitsnutzer sind durchschnittlich 41,9 Jahre alt. Sie nehmen im Vergleich zu den digitalen
Außenseitern zumindest teilweise am Geschehen in der digitalen Gesellschaft teil. 98 Prozent besitzen
einen PC oder ein Notebook, drei Viertel bereits eine Digitalkamera. Passend dazu verbringen nahezu
alle Gelegenheitsnutzer Zeit mit Computer und Internet ? vor allem für private Zwecke. Der
Gelegenheitsnutzer kennt bereits viele Basisbegriffe der digitalen Welt, hat aber besonders beim Thema
Sicherheit großen Nachholbedarf. Insgesamt erkennt dieser Typ klar die Vorteile des Internets, fördert
aber nicht seine Weiterentwicklung und bevorzugt eher klassische Medien.
Der Berufsnutzer (9 Prozent)

Durchschnittlich 42,2 Jahre alt, hat diese Gruppe den höchsten Anteil an Berufstätigen. Im Vergleich zu
den Gelegenheitsnutzern haben die Berufsnutzer eine deutlich bessere digitale Infrastruktur an ihrem
Arbeitsplatz und nutzen dementsprechend auch dort überdurchschnittlich das Internet. Hingegen ist die
private Nutzung sogar leicht unter dem Niveau der Gelegenheitsnutzer. Die Nutzungsvielfalt der
Berufsnutzer beschränkt sich eher auf nützliche Anwendungen wie E-Mail oder Textverarbeitung.
Die Trendnutzer (11 Prozent)

Diese Gruppe hat sowohl den höchsten Männer- (78 Prozent) als auch Schüleranteil (13 Prozent). Das
Durchschnittsalter der Trendnutzer ist mit 35,9 Jahren recht jung. Bei den Trendnutzern ist häufig die
ganze Bandbreite an digitalen Geräten vorhanden. Der Trend geht dabei klar zum Zweitcomputer. Die
Mitglieder dieser Gruppe verfügen über umfassende Kompetenzen am Computer und kennen sich bis auf
wenige Ausnahmen bestens in der digitalen Welt aus. Die Trendnutzer wenden besonders gerne Web
2.0-Applikationen an und erkennen die großen Vorteile der digitalen Medien für sich.
Die digitalen Profis (12 Prozent)

Der durchschnittliche digitale Profi ist 36,1 Jahre alt, meist männlich und berufstätig. Dieser Typus
verfügt sowohl Zuhause als auch im Büro über eine sehr gute digitale Infrastruktur. Seine Kompetenzen
sind umfangreich, was sich insbesondere in ihren professionellen Fähigkeiten widerspiegelt. Ob
Makroprogrammierung oder Tabellenkalkulation, der digitale Profi fühlt sich auch auf diesem komplexen
Terrain zuhause.
Eher selten suchen die digitalen Profis im Vergleich zu den Trendnutzern und der digitalen Avantgarde
Zerstreuung in der digitalen Welt oder nutzen diese zur Selbstdarstellung. Bei der Nutzungsvielfalt
stehen daher nützliche Anwendungen, wie z.B. Online Shopping, Preisrecherche und Nachrichten lesen, im
Vordergrund.
Die Digitale Avantgarde (3 Prozent)

Die jüngste Gruppe (Durchschnittsalter 30,5 Jahren) ist gleichzeitig mit drei Prozent auch die kleinste
Gruppe. Die digitale Avantgarde hat dabei ein eher geringes Einkommen und lebt oft in einem
Singlehaushalt. Ihre digitale Infrastruktur lässt kaum Wünsche offen. Auffällig hoch sind dabei die
mobile und geschäftliche Internetnutzung.
In allen Bereichen verfügt die digitale Avantgarde über sehr hohe Kompetenzen und bildet bei den
komplexen digitalen Themen die Spitze der Gesellschaft. Ihr Wissensstand um die digitale Welt ist
dagegen nicht ganz so ausgeprägt wie bei den digitalen Profis. Mehr durch ?trial and error? statt das Lesen
von Anleitungen eignet sich der digitale Avantgarde seine Kompetenzen an. Von den digitalen Medien
lässt diese Gruppe kaum ab: Durchschnittlich elf Stunden verbringen sie täglich vor dem Computer. Neben
der Arbeit ist daher auch das Freizeitverhalten oft von den digitalen Medien bestimmt.
"Mit dieser Studie steht erstmals ein Instrument zur Verfügung, mit dem in den nächsten Jahren die
Entwicklung der digitalen Gesellschaft in Deutschland genau gemessen werden kann. Besonders im Hinblick
auf ihre eigenen Aktivitäten für die digitale Gesellschaft kann die Initiative D21 damit deutlich
machen, dass das Warten auf Veränderungen alleine nicht zum Ziel führen wird. Nur mit auf einzelne
Gruppen zugeschnittenen Maßnahmen lässt sich Deutschland besser auf die Herausforderungen der digitalen
Welt im 21. Jahrhundert vorbereiten", kommentiert Robert A. Wieland, Mitglied des D21-Gesamtvorstandes
und Geschäftsführer der TNS Infratest GmbH, die Ergebnisse der Studie zur digitalen Gesellschaft.