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Inszenierte Online-Bewertungen - Das steckt dahinter

Unternehmen zahlen oft für positive Bewertungen

10.02.2010 - Viele potentielle Käufer informieren sich vor einem Kauf über das Produkt. Meist geschieht das durch Online-Bewertungen. Diese findet man zum Beispiel in Blogs oder auch auf Amazon. Aber Vorsicht: Nicht alle dieser Bewertungen stammen wirklich von Nutzern. Einige dieser Bewertungen sind von Firmen finanziert. Sie wollen eine positive Darstellung erreichen und dem Produkt mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Stolze 650 Euro kostet das Offiziersmesser, und seine 141 Funktionen sind nicht zu verachten. Und trotzdem wollen manche noch mehr: einen Teilchenbeschleuniger etwa oder auch besser aufgeteilten Stauraum. Selbst wer häufig auf dem Schlauch steht, wird bemerken: Diese Kunden-Einträge bei Amazon sind nicht ernstzunehmen. Doch leider stehen nicht immer Spaßvögel hinter gefälschten Bewertungen. Oft sind es PR-Profis, die Produkte und Dienstleistungen gezielt ins ihnen rechte Licht rücken wollen. Genau hinschauen, lautet deshalb die Devise.

Der Schmu funktioniert etwa folgendermaßen: Ein Unternehmen möchte seiner neuen App fürs iPhone zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Daher spannt sie eine Agentur ein: Sie soll Blogger dazu bringen, lobende Beiträge über die Software zu verfassen. Oder ein Konzern hat den Eindruck, er komme in der öffentlichen Wahrnehmung nicht gut genug weg und gibt aus diesem Grund Geld dafür aus, dass in Foren und Blogs immer mal wieder sinngemäß zu lesen ist: "Ich bin hoch zufrieden mit denen, die sind bei weitem nicht so schlecht wie ihr Ruf."

Wie häufig versucht wird, Netznutzer auf der Suche nach Infos über Waren und Dienstleistungen mit gefälschten Bewertungen hereinzulegen, weiß wohl niemand. "Aber man sollte damit rechnen", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Aus Sicht der Schummler ist das verständlich. Denn immer wieder belegen Umfragen, wie viele Anwender solche Bewertungen beachten, wenn sie irgendwas oder auch irgendwo kaufen wollen. So ermittelte vor wenigen Monaten die GfK-Marktforschung, dass fast jeder zweite potenzielle Kunde von Onlineshops (46,4 Prozent) erstmal ein Auge darauf wirft, welche Erfahrungen andere mit dem Anbieter gemacht haben.

Aufmerksames Lesen lohnt sich

Zumindest die eine oder andere als Bewertung getarnte PR-Aktion ist nicht schwer zu durchschauen, wie Georg Tryba erzählt: Er und seine Kollegen haben zum Beispiel schon einmal Kunden-Einträge in Onlineshops für Nahrungsergänzungsmittel unter die Lupe genommen. "Und da haben wir festgestellt, dass es immer wieder Bewerter gibt, die sich einfach als Verkäufer outen."

Viele Schummler sind geschickter, und aufmerksames Lesen ist daher empfehlenswert. "Wer ein geschultes Auge hat, erkennt Fake-Einträge an geschliffenen Sätzen, die ein normaler Nutzer nicht schreiben würde", sagt Jan Bruns vom Magazin "Computerbild" in Hamburg. Stutzig sollte man auch bei Aussagen werden, die sich mit der Werbung der jeweiligen Firma decken. "Ein Beispiel ist die 12-Megapixel-Kamera, bei der es in der Bewertung komischerweise um genau die beworbene grandiose Bildqualität geht."

Überhaupt die Lobhudelei: Wo nicht abgewogen und ausschließlich gejubelt wird, ist Vorsicht geboten, rät Maurice Shahd vom BITKOM, dem IT-Branchenverband aus Berlin. Auf Webseiten, die diese Funktion bieten, empfehle sich dann ein Blick auf die weiteren Einträge des Nutzers. "Wenn man dann sieht, dass der im letzten Jahr 20 Digicams oder Verstärker positiv rezensiert hat, kann man sich schon fragen: Hat der nichts anderes zu tun oder zu viel Geld?"

Oder man zieht daraus den Schluss, dass hier jemand im Auftrag eines Dritten und vielleicht gegen Entlohnung professionell Positives schreibt. Etwas Recherche kann aber auch zur Erkenntnis führen, dass doch ein aufrichtiger Schreiber am Werk war. Bei Amazon etwa kann dieser seinen Beiträgen über die Funktion "Real Names" zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen - indem er seinen vollen Namen verrät.

Einige, aber nicht Alle

Tryba warnt ohnehin davor, hinter jedem Begeisterung vermittelnden Posting eine PR-Aktion zu vermuten. Denn oft finden tatsächlich auch Käufer ein Produkt oder eine Dienstleistung so toll, dass sie genau das und nichts anderes loswerden wollen. Trotzdem unterscheiden sich solche Einträge meist in einem Punkt von strategisch platzierten, wie Jan Bruns erklärt: "Nutzer liefern häufig Situationsbeschreibungen aus dem häuslichen Umfeld." Sie berichten etwa - oft genug ausufernd - von den fantastischen Bildern, die sie mit der neuen Kamera beim Familienfest gemacht haben. "Sowas kommt bei PR-Texten selten vor."

Obwohl die Web-Bewertungen also eine heikle Sache sind, raten die Experten nicht davon ab. Er informiere sich zwar lieber zuerst mit Hilfe unabhängiger Tests, sagt Georg Tryba. "Aber in der B- und C-Note sind die Bewertungen durchaus interessant" - etwa wenn die Verfasser über scheinbar Nebensächliches schreiben, das in keinem Testbericht Erwähnung gefunden hat. Auch Bruns ist überzeugt, dass die Postings hilfreich sein können, sofern der Leser den "richtigen Filter im Kopf" hat, also etwa aufmerksam genug liest.

Die Filter der Anbieter funktionieren gut

Diesen Einschätzungen gibt eine neue "Computerbild"-Untersuchung von 21 Bewertungsportalen Nahrung. Die Tester fanden nach Jan Bruns' Worten nur wenige gefälschte Bewertungen. Außerdem hatten sie selbst solche verfasst und kamen damit meist nicht durch - wegen wachsamer Communitys und tauglicher Prüfmethoden der Betreiber. "Wir haben aber schon in der Formulierung deutlich gemacht: Da stimmt was nicht."

Erstaunliches hat zudem eine repräsentative Studie im Auftrag der unabhängigen Stiftung Gesundheit aus Hamburg ans Licht gebracht: Der Mehrzahl der sonst durchaus auf Wahrung ihrer Interessen bedachten Mediziner scheinen Online-Bewertungen ihrer Dienstleistungen egal zu sein: Von gut 1 100 befragten Ärzten, Zahnärzten und Psychologischen Psychotherapeuten haben mehr als zwei Drittel (67,3 Prozent) keinen Schimmer, ob sie schon einmal bewertet wurden. Und kein einziger will bereits Freunde oder Mitarbeiter angestiftet haben, doch bitte einen positiven Beitrag zu veröffentlichen.

(dpa / xdial.de)

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Betreff Autor Datum
PayPal ist besser geworden,aber... wildsurfer 05.09.10 21:28
nicht jammern, sondern mitdenken oskar40 12.08.10 09:58
RE: Online Betrug, selber Schuld, ... rotella 07.08.10 23:03
RE: Online-Betrug ger1294 07.08.10 21:51
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